Hexentanz Ultra 2014

Hexentanz im Harz -- Erholung pur ???? :) :) :)

Für mich gehört hinter die Überschrift eher ein großes Fragezeichen und ein Smilie. Die obenstehende Überschrift las ich während eines Trainingslagers in Arco am Gardasee in der iPad-Ausgabe der BILD. Ich habe genau in diesem Moment wieder daran gedacht, dass ich mich ja irgendwann für diesen Hexentanz Ultralauf direkt vor meiner Haustür angemeldet habe und musste herzlich lachen, als ich mir noch einmal bewusst machte, dass es sich dabei ja nur um die "Bambini-Runde" des Hexenstieg Ultralaufes handelt. Dazu gleich mehr, der Screenshot musste sein.

Der Hexentanz ist ein Ultralauf durch den Harz von Thale nach Osterode. 2300 Höhenmeter gilt es zu bewältigen. Termin Ende April. Für mich als Harzer heißt das: Pack alles ein was du hast!

Bereits am Donnerstagabend schauten wir beim Briefing für die Hexenstiegler im Hotel Harzer Hof, in Osterode, vorbei. Diese unglaublichen Sportler machten sich dazu bereit, den Hexenstieg einmal von Osterode nach Thale, über den Brocken, hin und danach auf der Südumgehung wieder zurück zu laufen. Dafür haben sie 48 Stunden Zeit. Diejenigen, die dieses unter 25 Stunden erledigen, können mit den Hexentänzern in den Bus steigen und den zweiten Teil der Strecke noch einmal laufen. 1000 Euro hat der Veranstalter Michael Frenz für diesen sogenannten "Devils Cry" ausgelobt. Vorab schon einmal: Das hat der Micha wieder mitnehmen dürfen, niemand wollte es haben.

Freitag Abend, um 19.00 Uhr, fand dann das Briefing der Hexentänzer statt. Eine lockere Runde mit vielen bekannten Gesichtern. Man merkt einfach, dass diese Läufer sich untereinander kennen und wenn das noch nicht der Fall ist, ist man doch auf einer Wellenlänge und versteht sich auf Anhieb gut. Tolle Stimmung und im Anschluss ein opulentes Menü vom Harzer Hof. Satt war ich schon mal und alle Infos zum Rennen hatte ich jetzt auch, Prioritäten 1 und 2 erledigt.

Allerdings wurde mir beim Briefing auch zum ersten Mal bewusst, dass es hier keine ausgeschilderte und markierte Strecke gibt. Also zu Hause noch mal schnell den Track auf das GPS geladen und mit den Grundfunktionen des Garmin vertraut machen (und natürlich wenigstens zwei Sätze Ersatzbatterien für den Stromfresser mit Touchscreen einpacken). Da das Wetter zwischen 20 Grad Sonnenschein und 5 Grad Gewittersturm schwankte, war das Packen des Dropbags und auch die Wahl der Erstausstattung nicht so einfach. Der Droppoint lag im Übrigen sehr früh, bei km 48, also nach meiner groben Rechnung irgendwo um 15 Uhr herum. Dies sollte später auch genau so zutreffen.

Eine tolle Softshell-Weste mit dem eingestickten HT-Logo gab es auch noch. Finishen musste man dafür also nicht aber ich bin mir sicher, dass man sie sonst niemals trägt.

Nach einem tollen Frühstück ( der Schlafplatz im Hotel Harzer Hof war für alle nicht ortsansässigen Teilnehmer im Startpreis inkludiert ) stiegen alle Teilnehmer um 07.45 Uhr in einen alten Schulbus in Richtung Thale. Die beste Frage: "Und wenn wir dann da ankommen, bekommen wir alle so ein GPS-Gerät?" :) Nein, das solltest du haben oder dich auf deine Nase verlassen. Eine Karte hatten wir ja schließlich auch noch.

In Thale, in einer Sporthalle, wurden die Vorräte noch aufgefüllt und es erfolgte um Punkt 10.00 Uhr ein sehr unspektakulärer Start der bunten, ca. 45-köpfigen Läufergruppe.

Zunächst laufen wir durch die Straßen von Thale in Richtung Berg. Acht Läufer laufen vor, jeder ein GPS in der Hand, durch Thale und flachsen rum. Der Track hier noch leicht zu finden. Alle anderen folgen. Jetzt geht es in den Wald. Schon ist es vorbei mit der Einigkeit. 6 GPS, 3 Meinungen, kein Weg. Na das geht ja gut los. Nach 800m verlaufen wir uns das erste Mal und alle kommen mit. Quer durch den Wald finden wir dann doch schnell einen passablen Pfad und folgen diesem erstmal wieder in den Ort und dann zum Einstieg des Trails zum Hexentanzplatz.

Felsenuntergrund, Serpentinen und die ersten 350 hm auf einem guten Kilometer warten auf uns. Nach genau 30 Minuten schlagen wir oben bei den Teufeln und Hexen an und der Hexer ist auch dort um uns zu begrüßen. Am Tierpark vorbei führt uns der Track auf dem Bergrücken zum Pfeildenkmal und vom Großen Dammbachskopf, über einen schmalen Felsentrail wieder komplett hinab zur Bode, nach Treseburg, dem ersten VP nach 11 km. Das war schon mal ein Riesenspaß. Ich darf mich hier als erster eintragen und wir füllen Wasser und Bananen nach. Zu dritt folgen wir der Bode nach Altenbrak. In Altenbrak verlassen wir den eigentlichen Hexenstieg und folgen einem Trail, wieder rauf auf ca. 55hm, die Südroute des Hexenstieges, in Richtung Hasselfelde. Das Wetter ist zu diesem Zeitpunkt perfekt, ca. 20 Grad, die Sonne lacht und wir genießen zu dritt diesen wunderschönen Trail mit seinem sanften Wellenprofil. Stefan Helbig, der spätere Sieger, wird hier jedoch nur von uns gebremst und er läuft ab hier allein weiter.

Nach 26 km führt der Track Dominik und mich durch Hasselfelde. In Hasselfelde gibt es einen Selbstversorgungspunkt. Eine Tankstelle, in der man sich Verpflegung kaufen kann, wenn man will. Dazu muss man den Hexenstieg kurz verlassen. Wir beschließen das nicht zu tun und irren laut lachend durch Hasselfelde und suchen den Ausgang aus diesem verlassenen Ort. Kleine Anekdote: Von drei angesprochenen Passanten kannten zwei noch nicht einmal den Wanderweg Hexenstieg der durch ihren Ort führt. Die Hexenaufkleber an den Laternen helfen bei der Erklärung und lassen uns den Weg auch ohne GPS finden.

Nach Hasselfelde soll der Weg zu den Ausläufern der Rappbodetalsperre führen, nach unten. Wir haben wohl eine Abzweigung verpasst und laufen auf einem Schotterstück bergauf. Oben angekommen folgt der Blick auf's Gerät und ein kurzes Murren. Dann geht es quer durch den Wald, durch Moor und von "nachhaltige Waldwirtschaft" geprägten Wald bergab bis wieder auf den Hexenstieg, der plötzlich auftaucht. Auf einmal war er da.

Ein toller Trail führt uns oberhalb der Vorsperre der Rappbodetalsperre um den Berghang. Am höchsten Punkt sitzen unsere zwei Top-Radsupporter Katja und Olli und haben für uns Orangen und Äpfel aufgeschnitten. Einfach toll. Nach einer kurzen Rast geht's bergab und über die kleine Staumauer, durch einen tiefen dunklen Wald nach Königshütte. Königshütte ist noch verlassener als Hasselfelde aber am Ortsausgang lohnt sich der kleine Aufstieg zu einem Wasserfall um dort den Kopf mal unter fließendes Wasser zu halten.

Nicht mehr weit ist es zum Mandelholz. Ein kleiner Waldtrail führt uns zu diesem VP, den wir nach den geplanten 5 Stunden auch erreichen. Die drei Läufer, die uns bis hierher überholt haben, treffen wir hier bei Suppe, Cola und Gummitieren. Nach ca. 37 km ohne VP war das hier dringend nötig. Schnell noch die Stirnlampe und die Weste für später aus dem Dropbag kramen und dann laufen wir auch schon weiter.

Endlich donnert es und die angekündigten Gewitter ziehen auf. An der kalten Bode führt der Track nach Elend. Ein Ort, der auch selbstironisch sein kann, am Hexenstieg steht ein Schild mit der Aufschrift "Elend - Einöde", das ist zutreffend.

Die Strecke von Elend nach Braunlage ist fast durchgehend ein wurzeliger Trail. Direkt vor dem "Grenzübertritt" überholen wir die erste Hexenstieglerin. Ich klopfe ihr auf die Schulter und beglückwünsche sie zu dieser unglaublichen Leistung. Sie sieht aus, als wenn sie grad erst los ist und ja, sie läuft auch auf diesem schweren Stück. Endlich fängt es jetzt an zu regnen und die Jacke kommt aus dem Backpack an die Luft. Der Regen wird schnell richtig kräftig und hört auch so schnell nicht mehr auf. In Braunlage steht das Wasser auf der Straße aber ist egal, lässt sich ja eh nicht ändern. Immerhin schneit es nicht.

Durch Braunlage auf dem Hexenstieg nach St. Andreasberg. Vorbei am Rinderstall holen wir die nächsten Hexenstiegler ein. Der VP liegt auf der Jordanshöhe in St. Andreasberg am Rehberg. Hier gibt es einfach alles was man will. Vor allem auch Handynetz mit LTE :) ...Leider lese ich dann, dass soeben Flo in Braunlage aufgehört hat, wegen Magenproblemen. Ich schicke ihm ein Foto von meiner Verpflegung und versuche ihn aufzumuntern bevor mich mein Teampartner schon wieder hochscheucht.

Von der Jordanshöhe führt der Track auf dem Rehberger Grabenweg mit ca. 1% Steigung über 7 km bis zum Oderteich. Sehr zermürbend, besonders im Regen. Wir laufen jedoch locker durch. Am Oderteich wählen wir den Weg links und zwar direkt am Wasser entlang bis zum Einstieg in den Märchenweg. Der Märchenweg wird oft von Mountainbikern gesucht, allerdings kenne ich

persönlich nur Wenige, die ihn auch fahren können. So auch heute. Wir überholen viele schiebende Bergfahrer. Nach einem Blick auf unsere Startnummer müssen wir noch ein paar ungläubige Fragen beantworten und lassen sie beeindruckt im Schlamm steckend zurück. Auf dem Torfhaus steht das VP-Mobil und auch der Veranstalter. Der VP besteht aus einem 5l-Eimer gerollten Kartoffelchips. Wollmernich...also hoch zur Wolfswarte. Die wollen wir noch im Hellen fotografieren. Knappe 2km Felsen warten auf uns. Ein fantastischer Blick von der Wolfswarte entschädigt für alle Schmerzen. In den vielen kleinen Tälern liegt Nebel und zwischendrin gucken die Bergspitzen raus. 

Den Stempelpunkt hier oben hat man nach unten verlegt, an den Einstieg. Wir machen also für den Veranstalter ein Selfie zur Beweisführung, dass wir auch hier waren. Wie war das noch: Auf die Startnummer setzen, den linken Arm anheben, mit dem rechten zum Brocken zeigen, mit den linken Zeigezeh das vom rechten Fuß gehaltene iPhone für das Selfie bedienen...Geschafft. 

Ein langer Forstabstieg nach Altenau folgt. Hier ist wieder ein VP, am Hotel Sachsenroß. Im Regen wollen wir einfach nur schnell weiter. Auch hier sind einige Leute für uns vor Ort. So auch Christiane und Patrick, die uns mit warmer Cola und dem Ruf nach einem Liegestützcontest begrüßen. Ich lehne ausnahmsweise ab. Nächstes Mal wieder. Es wird jetzt Zeit die Stirnlampe anzuwerfen, oder besser den Lupine Scheinwerfer.

Hinter Altenau beginnt der Nebel mit ca. 20m Sicht. Das ist auch gut so. Die Strecke führt hier auf der alten Bahntrasse von Altenau nach Clausthal. Ungefähr 7,5 km, immer geradeaus, immer leicht bergauf. Nach vorsichtiger Berechnung brauchen wir dafür ca. 45 Minuten. Ich schaue ca. alle 2 Minuten auf die Uhr aber die Zeit vergeht nicht. Nach 30 Minuten kommen wieder ein paar Hexenstiegler in Sicht. Dabei ist auch Daniel. Er sieht gut aus, klingt jedoch völlig emotionslos während des kurzen Gesprächs. Die Truppe wird kurz versucht zu motivieren und dann geht's weiter, endlich von diesem Weg runter. Leider folgt dann Clausthal und ein ewiges Stück Asphalt. Man spricht hier von der "Wand" hoch zum VP und das ist es auch. Mit dem Auto schon eine echte Sauerei aber laufen? ... Kein Spaß. 

Oben erwarten uns viele Bekannte, Schwedenfeuer und allerlei Leckereien bei Jens von Adrenalintours. Jetzt ist es auch endlich kalt genug für die Weste. Hier wird uns gesagt, dass die vor uns liegenden gerade 5 Minuten raus sind. Egal. Jetzt ist Nahrungsaufnahme angesagt. Als jedoch der nächste Tänzer eintrifft zieht es uns dann doch auf die Füße. 

Dominiks Fuß geht es nicht gut, als wir loslaufen. Ich kündige ihm an, ihn zu tragen, falls er irgendwelche komischen Gedanken hegt, so 14 km vor dem Ziel an "unserem" Berg. Bevor das passiert, läuft er lieber von allein irgendwie weiter. Der Philosophenweg nach Osterode ist mein Hinterhof-Heimtrail. Von der Kuckholzklippe bis hinunter nach Lerbach. 4Km wundervoller Laufgenuss. Das fühlt sich auch nach 100 km noch gut an...irgendwie... Meine Stirnlampe lässt den Wald eh in quasi Tageslicht erscheinen. Ein weiterer Läufer hat sich zu uns gesellt und folgt vertrauensvoll der Führung auf diesem Stück, ich kenne hier wirklich jeden Stein.

Die letzten 2 km Asphalt nur bergab bis nach Osterode zum Harzer Hof. Kurz noch mit dem Scheinwerfer bei Hermann reingeleuchtet und anscheinend auch geweckt, laufen wir nach 13 Stunden und 57 Minuten zu dritt ins Ziel als Fünfte. Die beiden Drittplatzierten vor uns sind 2 Minuten eher und der Zweitplatzierte 5 Minuten vor uns reingelaufen. Für einen so langen Lauf könnte man das schon ein Kopf an Kopf Rennen nennen. Gesehen haben wir uns alle nicht. Der Sieger benötigte gute 12 Stunden und war wie zu erwarten unser Begleiter Stefan von den ersten 25 km. Herzlichen Glückwunsch hier noch einmal.

Der Zieleinlauf ist sehr unspektakulär und außer unseren Supportern steht niemand draußen. Man trägt sich drinnen in die Liste ein und darf sich dann ein Finishergetränk kaufen. In meinem Fall eine Traubenschorle 1 zu 1000, weil der Traubensaft dann auch alle ist ...Schade. Die folgende Massage ist jedoch ein Traum. Die Schmerzen sind schlimmer als die ca. 108 km laufen, die wir vorher erledigt hatten. Was so weh tut, muss gut sein.

Die Siegerehrung am nächsten Tag um halb 9 ist toll. Man sieht endlich alle ca. 100 Starter auf einem Haufen und wirklich jeder wird hier geehrt und nach vorn gerufen um seine Urkunde abzuholen.

Würde ich es wieder tun? Ja, ich denke schon. Ich habe großen Respekt vor allen Finishern dieses Laufes. Die Strecke hat es echt in sich und mit "mal eben gemütlich nen 100er" hat das hier nix zu tun. Das sollte an den Zielzeiten zu erkennen sein, die meisten Teilnehmer kamen jenseits der 17 Stunden ins Ziel.

Unglaubliche Leistungen vollbrachten jedoch die Finisher des Hexenstieges. Mir fehlen für diese mentale und körperliche Leistung einfach die Wort deswegen sage ich hier nur: Respekt und Hut ab, für jeden einzelnen von euch. 

Mit meiner Ausrüstung hatte ich, insbesondere bei den Schuhen, eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Der ASICS Fuji Elite ist genau für dieses Terrain hier gebaut und hat sich bereits zum zweiten Mal für mich als absolut ultratauglich bewiesen.


Die komplette Ausrüstung hier noch einmal zum Nachbauen:

  • Viele viele Buffs
  • ASICS Schlauchtuch (etwas dicker und toll in der Nacht bei kälteren Temperaturen)
  • SZIOLS X-Kross Brille
  • Lupine Piko X4 Stirnlampe
  • ASICS Inner Muscle Top Kurzarm (Test)
  • ASICS Inner Muscle Top Langarm
  • Armlinge von Saucony
  • ASICS Fuji Packable Jacket (Test)
  • ASICS Windstopper Speed Vest
  • ASICS Fuji 2in1 Shorts (Test von Joyce)
  • ASICS Calfs
  • ASICS Marathon Socks
  • ASICS Fuji Elite 2 (Test)
  • Black Diamond Ultra Distance Poles
  • Salomon SLAB Advanced Skin XT 12 Rucksack
  • Garmin Oregon 450t


Ich weiß, ich bin noch einige Berichte schuldig, ich werde sie nachholen. Da kommt sicher noch ein bisschen was dieses Jahr, Versprochen :)

2716 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit Stern * zu füllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.

trailrunning-harz trailrunning harz